Richard Wagner – Die Walküre – Zweiter Akt deutsch

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(acto I en alemán)
(acto II en alemán)
(acto III en alemán)

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(traducción al español del acto I)
(traducción al español del acto II)
(traducción al español del acto III)

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2. AKT

Nun zäume dein Ross, reisige Maid!
Bald entbrennt brünstiger Streit.

Brünnhilde stürme zum Kampf,
dem Wälsung kiese sie Sieg!

Hunding wähle sich, wem er gehört.

Nach Walhall taugt er mir nicht.

Drum rüstig und rasch, reite zur Wal!

Hojotoho! Hojotoho! Heiaha!

Dir rat’ ich, Vater, rüste dich selbst,
harten Sturm sollst du bestehn.

Fricka naht, deine Frau,
im Wagen mit dem Widdergespann.

Hei! Wie die goldne Geißel sie schwingt!

Die armen Tiere ächzen vor Angst,
wild rasseln die Räder.

Zornig fährt sie zum Zank!

In solchem Strauße streit’ ich nicht gern,
lieb’ ich auch mutiger Männer Schlacht!

Drum sieh, wie den Sturm du bestehst.
Ich Lustige lass dich im Stich!

Hojotoho! Hojotoho!
Heiaha! Heiaha!

Der alte Sturm, die alte Müh’!

Doch stand muß ich hier halten!

Wo in den Bergen du dich birgst,

der Gattin Blick zu entgehn,

einsam hier such ich dich auf,

dass Hilfe du mir verhießest.

Was Fricka kümmert, künde sie frei.

Ich vernahm Hundings Not,

um Rache rief er mich an.

Der Ehe Hüterin hörte ihn,

verhieß streng zu strafen die Tat

des frech frevelnden Paars,

das kühn den Gatten gekränkt.

Was so Schlimmes schuf das Paar,

das liebend einte der Lenz?

Der Minne Zauber entzückte sie.

Wer büßt mir der Minne Macht?

Wie töricht und taub du dich stellst,

als wüsstest fürwahr du nicht,

dass um der Ehe heiligen Eid,

den hart gekränkten, ich klage!

Unheilig acht’ ich den Eid,

der Unliebende eint.

Und mir wahrlich mute nicht zu,

dass mit Zwang ich halte,
was dir nicht haftet.

Denn wo kühn Kräfte sich regen,

da rat’ ich offen zum Krieg.

Achtest du rühmlich der Ehe Bruch,

so prahle nun weiter und preis’ es heilig,

dass Blutschande entblüht

dem Bund eines Zwillingspaars!

Mir schaudert das Herz,
es schwindelt mein Hirn,

bräutlich umfing die Schwester
der Bruder!

Wann ward es erlebt,

dass leiblich Geschwister sich liebten?

Heut’ hast du’s erlebt!

Erfahre so, was von selbst sich fügt,
sei zuvor auch noch nie es geschehn.

Dass jene sich lieben,
leuchtet dir hell,

drum höre redlichen Rat.

Soll süße Lust deinen Segen dir lohnen,

so segne, lachend der Liebe,

Siegmunds und Sieglindes Bund!

So ist es denn aus
mit den ewigen Göttern,

seit du die wilden Wälsungen zeugtest?

Heraus sagt’ ich’s, traf ich den Sinn?

Nichts gilt dir der Hehren heilige Sippe,

hin wirfst du alles, was einst du geachtet,

zerreißest die Bande,
die selbst du gebunden,

lösest lachend des Himmels Haft.

Dass nach Lust und Laune nur walte,

dies frevelnde Zwillingspaar

deiner Untreue zuchtlose Frucht!

O, was klag ich um Ehe und Eid,

da zuerst du selbst sie versehrt!

Die treue Gattin trogest du stets.

Wo eine Tiefe, wo eine Höhe,
dahin lugte lüstern dein Blick,

wie des Wechsels Lust du gewännest,

und höhnend kränktest mein Herz.

Trauernden Sinnes musst’ ich’s ertragen,

zogst du zur Schlacht
mit den schlimmen Mädchen,

die wilder Minne Bund dir gebar.

Denn dein Weib scheutest du so,

dass der Walküren Schar

und Brünnhilde selbst,
deines Wunsches Braut,

in Gehorsam der Herrin du gabst.

Doch jetzt, da dir neue Namen gefielen,

als “Wälse” wölfisch im Walde
du schweiftest.

Jetzt, da zu niedrigster
Schmach du dich neigtest,

gemeiner Menschen ein Paar zu erzeugen,

jetzt dem Wurfe der Wölfin

wirfst du zu Füßen dein Weib!

So führ’ es denn aus!
Fülle das Maß!

Die Betrogne lass auch zertreten!

Nichts lerntest du, wollt’ ich dich lehren,

was nie du erkennen kannst,
eh’ nicht ertagte die Tat.

Stets Gewohntes nur magst du verstehn,

doch was noch nie sich traf,

danach trachtet mein Sinn.

Eines höre!

Not tut ein Held,

der, ledig göttlichen Schutzes

sich löse vom Göttergesetz.

So nur taugt er zu wirken die Tat,

die, wie not sie den Göttern,

dem Gott doch zu wirken verwehrt.

Mit tiefem Sinne willst du mich täuschen.

Was Hehres sollten Helden je wirken,

was ihren Göttern wäre verwehrt,

deren Gunst in ihnen nur wirkt?

Ihres eignen Mutes achtest du nicht?

Wer hellte den Blöden den Blick?
Wer hellte den Blöden den Blick?

In deinem Schutz scheinen sie stark,

durch deinen Stachel streben sie auf.

Du reizest sie einzig,
die so mir Ew’gen du rühmst.

Mit neuer List willst du mich belügen,

durch neue Ränke mir jetzt entrinnen,

doch diesen Wälsung
gewinnst du dir nicht.

In ihm treff ich nur dich,

denn durch dich trotzt er allein.

In wildem Leiden erwuchs er sich selbst,

mein Schutz schirmte ihn nie.

So schütz auch heut ihn nicht!

Nimm ihm das Schwert,
das du ihm geschenkt!

– Das Schwert?
– Ja, das Schwert,

das zauberstark zuckende Schwert,

das du Gott dem Sohne gabst.

Siegmund gewann es sich selbst
in der Not.

Du schufst ihm die Not,
wie das leidliche Schwert.

Willst du mich täuschen, die Tag
und Nacht auf den Fersen dir folgt?

Für ihn stießest du
das Schwert in den Stamm,

du verhießest ihm die hehre Wehr.

Willst du es leugnen, dass nur deine List
ihn lockte, wo er es fänd’?

Mit Unfreien streitet kein Edler,

den Frevler straft nur der Freie.

Wider deine Kraft führt’ ich wohl Krieg,

doch Siegmund verfiel mir als Knecht!

Der dir als Herren hörig und eigen,

gehorchen soll ihm dein ewig Gemahl?

Soll mich in Schmach
der Niedrigste schmähen,

dem Frechen zum Sporn,
dem Freien zum Spott?

Das kann mein Gatte nicht wollen,

die Göttin entweiht er nicht so!

Was verlangst du?

Lass von dem Wälsung!

Er geh’ seines Wegs.

Doch du schütze ihn nicht,
wenn zur Schlacht ihn der Rächer ruft!

Ich schütze ihn nicht.

Sieh mir ins Auge,
sinne nicht Trug.

Die Walküre wend’ auch von ihm!

Die Walküre walte frei.

Nicht doch,
deinen Willen vollbringt sie allein.

Verbiete ihr Siegmunds Sieg!

Ich kann ihn nicht fällen,
er fand mein Schwert!

Entzieh’ dem den Zauber,
zerknick’ es dem Knecht!

Schutzlos schau’ ihn der Feind!

Dort kommt deine kühne Maid,
jauchzend jagt sie daher.

Ich rief sie für Siegmund zu Ross!

Deiner ew’gen Gattin heilige Ehre

beschirme heut’ ihr Schild!

Von Menschen verlacht,
verlustig der Macht,

gingen wir Götter zugrund’,

würde heut’ nicht hehr und herrlich

mein Recht
gerächt von der mutigen Maid.

Der Wälsung fällt meiner Ehre.

Empfah’ ich von Wotan den Eid?

Nimm den Eid!

Heervater harret dein.

Lass ihn dir künden,

wie das Los er gekiest!

Schlimm, fürcht’ ich, schloss der Streit,
lachte Fricka dem Lose.

Vater, was soll dein Kind erfahren?

Trübe scheinst du und traurig!

In eigner Fessel fing ich mich,

ich Unfreiester aller!

So sah ich dich nie!
Was nagt dir das Herz?

O heilige Schmach!

O schmählicher Harm!

Götternot! Götternot!

Endloser Grimm!
Ewiger Gram!

Der Traurigste bin ich von allen!

Vater! Vater! Sage, was ist dir?

Was erschreckst du mit Sorge dein Kind?

Vertraue mir! Ich bin dir treu.

Sieh, Brünnhilde bittet!

Lass’ ich’s verlauten,

lös’ ich dann nicht
meines Willens haltenden Haft?

Zu Wotans Willen sprichst du,

sagst du mir, was du willst.

Wer bin ich,
wär ich dein Wille nicht?

Was keinem in Worten ich künde,

unausgesprochen bleib’ es denn ewig.

Mit mir nur rat’ ich,

red’ ich zu dir.

Als junger Liebe Lust mir verblich,
verlangte nach Macht mein Mut.

Von jäher Wünsche Wüten gejagt,
gewann ich mir die Welt.

Unwissend trugvoll, Untreue übt’ ich,

band durch Verträge, was Unheil barg.

Listig verlockte mich Loge,
der schweifend nun verschwand.

Von der Liebe doch
mocht’ ich nicht lassen,

in der Macht verlangt’ ich nach Minne.

Den Nacht gebar, der bange Nibelung,
Alberich brach ihren Bund.

Er fluchte der Lieb’
und gewann durch den Fluch

des Rheines glänzendes Gold

und mit ihm maßlose Macht.

Den Ring, den er schuf,
entriss ich ihm listig.

Doch nicht dem Rhein gab ich ihn zurück,

mit ihm bezahlt’ ich Walhalls Zinnen,

der Burg, die Riesen mir bauten,

aus der ich der Welt nun gebot.

Die alles weiß, was einstens war,

Erda, die weihlich weiseste Wala,

riet mir ab von dem Ring,

warnte vor ewigem Ende.

Von dem Ende
wollt’ ich mehr noch wissen,

doch schweigend
entschwand mir das Weib.

Da verlor ich den leichten Mut,
zu wissen begehrt’ es den Gott.

In den Schoß der Welt
schwang ich mich hinab,

mit Liebeszauber zwang ich die Wala,
stört’ ihres Wissens Stolz,

dass sie Rede mir nun stand.

Kunde empfing ich von ihr,

von mir doch barg sie ein Pfand.

Der Welt weisestes Weib

gebar mir, Brünnhilde, dich.

Mit acht Schwestern zog ich dich auf.

Durch euch Walküren wollt’ ich wenden,

was mir die Wala zu fürchten schuf,

ein schmähliches Ende der Ew’gen.

Dass stark zum Streit uns fände der Feind,

ließ ich euch Helden mir schaffen.

Die herrisch wir sonst
in Gesetzen hielten,

die Männer, denen den Mut wir gewehrt,

die durch trüber Verträge trügende Bande

zu blindem Gehorsam wir uns gebunden,

die solltet zu Sturm und Streit
ihr nun stacheln,

ihre Kraft reizen zu rauhem Krieg,

dass kühner Kämpfer Scharen

ich sammle in Walhalls Saal!

Deinen Saal füllten wir weidlich,

viele schon führt’ ich dir zu.

Was macht dir nun Sorge,
da nie wir gesäumt?

Ein andres ist’s.

Achte es wohl,
wes mich die Wala gewarnt!

Durchs Alberichs Heer
droht uns das Ende.

Mit neidischem Grimm
grollt mir der Niblung,

doch scheu ‘ ich nun nicht
seine nächtigen Scharen,

meine Helden schufen mir Sieg.

Nur wenn je den Ring zurück er gewänne,

dann wäre Walhall verloren.

Der der Liebe fluchte, er allein

nützte neidisch des Ringes Runen
zu aller Edlen endloser Schmach.

Der Helden Ruhm entwendet er mir,

die Kühnen selber zwäng’ er zum Kampf,

durch ihre Kraft bekriegte er mich.

Sorgend sann ich nun selbst,
den Ring dem Feind zu entreißen.

Der Riesen einer, denen ich einst
mit verfluchtem Gold den Fleiß vergalt,

Fafner hütet den Hort,
mit dem er den Bruder gefällt.

Ihm müsst’ ich den Reif entringen,
den selbst als Zoll ich ihm zahlte.

Doch mit dem ich vertrug,
ihn darf ich nicht treffen,

machtlos vor ihm erläge mein Mut.

Das sind die Bande, die mich binden,

der durch Verträge ich Herr,

den Verträgen bin ich nun Knecht.

Nur einer könnte, was ich nicht darf,

ein Held, dem helfend nie ich mich neigte,

der fremd dem Gotte, frei seiner Gunst,

unbewusst, ohne Geheiß, aus eigner Not,

mit der eignen Wehr schüfe die Tat,

die ich scheuen muss,
die nie mein Rat ihm riet,

wünscht sie auch einzig mein Wunsch!

Der, entgegen dem Gott,
für mich föchte,

der freundliche Feind,
wie fände ich ihn?

Wie schüf’ ich den Freien,
den ich nie schirmte,

der im eignen Trotze der Trauteste mir?

Wie macht’ ich den andren,
der nicht mehr ich,

und aus sich wirkte, was ich nur will?

O göttliche Not, grässliche Schmach!

Zum Ekel find’ ich ewig nur mich
in allem, was ich erwirke!

Das andre, das ich ersehne,
das andre erseh’ ich nie.

Denn selbst muss der Freie sich schaffen,

Knechte erknet’ ich mir nur!

Doch der Wälsung,
Siegmund, wirkt er nicht selbst?

Wild durchschweift’ ich
mit ihm die Wälder,

gegen der Götter Rat
reizte kühn ich ihn auf.

Gegen der Götter Rache
schützt ihn nun einzig das Schwert,

das eines Gottes Gunst ihm beschied.

Wie wollt’ ich listig selbst mich belügen?

So leicht ja entfrug mir Fricka den Trug,

zu tiefster Schande
durchschaute sie mich!

Ihrem Willen muss ich gewähren.

So nimmst du von Siegmund den Sieg?

Ich berührte Alberichs Ring,
gierig hielt ich das Gold!

Der Fluch, den ich floh,
nicht flieht er nun mich.

Was ich liebe, muss ich verlassen,

morden, wen je ich minne,

trügend verraten, wer mir traut!

Fahre denn hin, herrische Pracht,

göttlichen Prunkes prahlende Schmach!

Zusammenbreche, was ich gebaut!

Auf geb’ ich mein Werk,

nur eines will ich noch,

das Ende!

Das Ende!

Und für das Ende sorgt Alberich!

Jetzt versteh’ ich den stummen Sinn
des wilden Wortes der Wala.

“Wenn der Liebe finstrer Feind

zürnend zeugt einen Sohn,

der Sel’gen Ende säumt dann nicht!”

Vom Niblung jüngst vernahm ich die Mär’,

dass ein Weib der Zwerg bewältigt,

des’ Gunst Gold ihm erzwang.

Des Hasses Frucht hegt eine Frau,

des Neides Kraft kreißt ihr im Schoß.

Das Wunder gelang dem Liebelosen,

doch der in Lieb’ ich freite,

den Freien erlang’ ich mir nicht.

So nimm meinen Segen,

Niblungen-Sohn!

Was tief mich ekelt,
dir geb ich’s zum Erbe,

der Gottheit nichtigen Glanz,

zernage ihn gierig dein Neid!

O sag’, künde, was soll nun dein Kind?

Fromm streite für Fricka,

hüte ihr Eh’ und Eid!

Was sie erkor, das kiese auch ich.

Was frommte mir eigner Wille?

Einen Freien kann ich nicht wollen.

Für Frickas Knechte kämpfe nun du!

Weh’! Nimm reuig zurück das Wort!

Du liebst Siegmund.

Dir zulieb’, ich weiß es,
schütz’ ich den Wälsung.

Fällen sollst du Siegmund,
für Hunding erfechten den Sieg!

Hüte dich wohl und halte dich stark,

all deiner Kühnheit entbiete im Kampf.

Ein Siegschwert schwingt Siegmund.

Schwerlich fällt er dir feig!

Den du zu lieben stets mich gelehrt,

der in hehrer Tugend
dem Herzen dir teuer,

gegen ihn zwingt mich nimmer
dein zwiespältig Wort!

Ha, Freche du! Frevelst du mir?

Wer bist du,
als meines Willens blind wählende Kür?

Da mit dir ich tagte, sank ich so tief,

dass zum Schimpf
der eignen Geschöpfe ich ward?

Kennst du, Kind, meinen Zorn?

Verzage dein Mut, wenn je
zermalmend auf dich stürzte sein Strahl!

In meinem Busen berg’ ich den Grimm,

der in Grau’n und Wust wirft eine Welt,

die einst zur Lust mir gelacht.

Wehe dem, den er trifft!

Trauer schüf’ ihm sein Trotz!

Drum rat’ ich dir, reize mich nicht!

Besorge, was ich befahl.

Siegmund falle.

Dies sei der Walküre Werk!

So sah ich Siegvater nie,

erzürnt’ ihn sonst wohl auch ein Zank!

Schwer wiegt mir der Waffen Wucht.

Wenn nach Lust ich focht,
wie waren sie leicht!

Zu böser Schlacht
schleich’ ich heut’ so bang.

Weh’, mein Wälsung!

Im höchsten Leid

muss dich treulos die Treue verlassen!

Raste nun hier, gönne dir Ruh’!

Weiter! Weiter!

Nicht weiter nun!

Verweile, süßestes Weib!

Aus Wonne-Entzücken zucktest du auf,

mit jäher Hast jagtest du fort.

Kaum folgt’ ich der wilden Flucht,
durch Wald und Flur, über Fels und Stein,

sprachlos, schweigend sprangst du dahin,
kein Ruf hielt dich zur Rast!

Ruhe nun aus,

rede zu mir!

Ende des Schweigens Angst!

Sieh, dein Bruder hält seine Braut.

Siegmund ist dir Gesell’!

Hinweg! Hinweg!
Flieh’ die Entweihte!

Unheilig umfängt dich ihr Arm,
entehrt, geschändet schwand dieser Leib.

Flieh’ die Leiche, lasse sie los!

Der Wind mag sie verwehn,

die ehrlos dem Edlen sich gab!

Da er sie liebend umfing,

da seligste Lust sie fand,

da ganz sie minnte der Mann,

der ganz ihre Minne geweckt.

Vor der süßesten Wonne heiligster Weihe,

die ganz ihr Sinn und Seele durchdrang,

Grauen und Schauder
ob grässlichster Schande

musste mit Schreck die Schmähliche
fassen, die je dem Manne gehorcht,

der ohne Minne sie hielt!

Lass die Verfluchte, lass sie dich fliehn!

Verworfen bin ich, der Würde bar!

Dir reinstem Manne muss ich entrinnen,

dir Herrlichem darf ich nimmer gehören.

Schande bring’ ich dem Bruder,

Schmach dem freienden Freund!

Was je Schande dir schuf,

das büßt nun des Frevlers Blut!

Drum fliehe nicht weiter,

harre des Feindes.

Hier soll er mir fallen.

Wenn Notung ihm das Herz zernagt,

Rache dann hast du erreicht!

Horch! Die Hörner, hörst du den Ruf?

Ringsher tönt wütend Getös’,
aus Wald und Gau gellt es herauf.

Hunding erwachte aus hartem Schlaf!

Sippen und Hunde ruft er zusammen,

mutig gehetzt heult die Meute,
wild bellt sie zum Himmel

um der Ehe gebrochenen Eid!

Wo bist du, Siegmund?

Seh ich dich noch,

brünstig geliebter, leuchtender Bruder?

Deines Auges Stern
lass noch einmal mir strahlen.

Wehre dem Kuss
des verworfnen Weibes nicht!

Horch! O Horch!
Das ist Hundings Horn!

Seine Meute naht mit mächt’ger Wehr.

Kein Schwert
frommt vor der Hunde Schwall.

Wirf es fort, Siegmund!
Siegmund, wo bist du?

Ha dort! Ich seh dich!
Schrecklich Gesicht!

Rüden fletschen die Zähne nach Fleisch!

Sie achten nicht deines edlen Blicks!

Bei den Füßen
packt dich das feste Gebiss!

Du fällst!
In Stücken zerstaucht das Schwert!

Die Esche stürzt, es bricht der Stamm!

Bruder! Mein Bruder! Siegmund! Ha!

Schwester! Geliebte!

Siegmund! Sieh auf mich!

Ich bin’s, der bald du folgst.

Wer bist du, sag,

die so schön und ernst mir erscheint?

Nur Todgeweihten taugt mein Anblick.

Wer mich erschaut,

der scheidet vom Lebenslicht.

Auf der Walstatt allein
erschein ich Edlen.

Wer mich gewahrt,

zur Wal kor ich ihn mir.

Der dir nun folgt,

wohin führst du den Helden?

Zu Walvater, der dich gewählt,
führ’ ich dich.

Nach Walhall folgst du mir.

In Walhalls Saal

Walvater find’ ich allein?

Gefallener Helden hehre Schar

umfängt dich hold
mit hoch-heiligem Gruß.

Fänd’ ich in Walhall Wälse,
den eignen Vater?

Den Vater findet der Wälsung dort.

Grüßt mich in Walhall froh eine Frau?

Wunschmädchen walten dort hehr.

Wotans Tochter
reicht dir traulich den Trank.

Hehr bist du,

und heilig gewahr ich das Wotanskind.

Doch eines sag mir, du Ew’ge

Begleitet den Bruder
die bräutliche Schwester?

Umfängt Siegmund Sieglinde dort?

Erdenluft muss sie noch atmen.

Sieglinde sieht Siegmund dort nicht.

So grüße mir Walhall,

grüße mir Wotan,

grüße mir Wälse und alle Helden,

grüß auch die holden Wunschesmädchen.

Zu ihnen folg ich dir nicht.

Du sahest der Walküre sehrenden Blick.

Mit ihr musst du nun ziehen!

Wo Sieglinde lebt in Lust und Leid,

da will Siegmund auch säumen.

Noch machte dein Blick
nicht mich erweichen.

Vom Bleiben zwingt er mich nie.

Solang du lebst,

zwäng’ dich wohl nichts.

Doch zwingt dich Toren der Tod.

Ihn dir zu künden kam ich her.

Wo wäre der Held, dem heut’ ich fiel?

Hunding fällt dich im Streit.

Mit Stärkrem drohe,
als Hundings Streichen.

Lauerst du hier lüstern auf Wal,

jenen kiese zum Fang
Ich denk ihn zu fällen im Kampf.

Dir, Wälsung – höre mich wohl!

Dir ward das Los gekiest.

Kennst du dies Schwert?
Der mir es schuf, beschied mir Sieg.

Deinem Drohen trotz’ ich mit ihm!

Der dir es schuf, beschied dir jetzt Tod!

Seine Tugend nimmt er dem Schwert.

Schweig,
und schrecke die Schlummernde nicht.

Weh! Weh! Süßestes Weib!

Du traurigste aller Getreuen.

Gegen dich wütet in Waffen die Welt.

Und ich, dem du einzig vertraut,
für den du ihr einzig getrotzt,

mit meinem Schutz
nicht soll ich dich schirmen,

die Kühne verraten im Kampf?

Ha, Schande ihm,
der das Schwert mir schuf,

beschied er mir Schimpf für Sieg!

Muss ich denn fallen?
Nicht fahr ich nach Walhall!

Hella halte mich fest!

So wenig achtest du ewige Wonne?

Alles wär’ dir das arme Weib,

das müd’ und harmvoll matt
von dem Schoße dir hängt?

Nichts sonst hieltest du hehr?

So jung und schön erschimmerst du mir.

Doch wie kalt und hart
erkennt dich mein Herz!

Kannst du nur höhnen, so hebe dich fort,
du arge, fühllose Maid!

Doch musst du dich weiden
an meinem Weh,

mein Leiden letze dich denn.
Meine Not labe dein neidvolles Herz.

Nur von Walhalls spröden Wonnen
sprich du wahrlich mir nicht.

Ich sehe die Not, die das Herz dir zernagt,

ich fühle des Helden heiligen Harm.

Siegmund, befiehl mir dein Weib,
mein Schutz umfange sie fest!

Kein andrer als ich
soll die Reine lebend berühren.

Verfiel ich dem Tod,
die Betäubte töt’ ich zuvor!

Wälsung! Rasender! Hör meinen Rat!

Befiehl mir dein Weib
um des Pfandes willen,

das wonnig von dir es empfing!

Dies Schwert,
das dem Treuen ein Trugvoller schuf,

Dies Schwert, das feig’
vor dem Feind mich verrät.

Frommt es nicht gegen dein Feind,
so fromm’ es denn wider den Freund!

Zwei Leben lachen dir hier

Nimm sie, Notung, neidischer Stahl!
Nimm sie mit einem Streich!

Halt ein, Wälsung!

Höre mein Wort!

Sieglinde lebe,

und Siegmund lebe mit ihr!

Beschlossen ist’s.

Das Schlachtlos wend’ ich.
Dir, Siegmund, schaff ich Segen und Sieg.

Hörst du den Ruf?
Nun rüste dich, Held!

Traue dem Schwert
und schwing’ es getrost.

Treu hält dir die Wehr,
wie die Walküre treu dich schützt.

Leb wohl, Siegmund, seligster Held!

Auf der Walstatt seh ich dich wieder.

Zauberfest bezähmt ein Schlaf

der Holden Schmerz und Harm.

Da die Walküre zu mir trat,

schuf sie ihr den wonnigen Trost?

Sollte die grimmige Wal

nicht schrecken ein gramvolles Weib?

Leblos scheint sie, die dennoch lebt.

Der Traurigen kost ein lächelnder Traum.

So schlummre nun fort,
bis die Schlacht gekämpft,

und Friede dich erfreu’.

Der dort mich ruft, rüste sich nun!

Was ihm gebührt, biet’ ich ihm!

Notung zahl’ ihm den Zoll!

Kehrte der Vater nur heim!

Mit dem Knaben noch weilt er im Forst.

Mutter! Mutter! Mir bangt der Mut!

Nicht freund und friedlich
scheinen die Fremden.

Schwarze Dämpfe, schwüles Gedünst,

feurige Lohe leckt schon nach uns.

Es brennt das Haus! Zu Hilfe, Bruder!
Siegmund! Siegmund!

Siegmund! Ha!

Wehwalt! Wehwalt! Steh mir zum Streit,
sollen dich Hunde nicht halten!

Wo birgst du dich, dass ich vorbei
dir schoss? Steh’, dass ich dich stelle!

Hunding! Siegmund!
Könnt’ ich sie sehen!

Hieher, du frevelnder Freier!
Fricka, fälle dich hier!

Noch wähnst du mich waffenlos,
feiger Wicht?

Drohst du mit Frauen, so ficht nun selber,
sonst lässt dich Fricka im Stich!

Denn sieh
Deines Hauses heimischem Stamm

entzog ich zaglos das Schwert.

Seine Schneide schmecke jetzt du!

Haltet ein, ihr Männer!
Mordet erst mich!

Triff ihn, Siegmund,
traue dem Schwert!

Zurück vor dem Speer!
In Stücken das Schwert!

Zu Ross, dass ich dich rette!

Geh hin, Knecht!
Kniee vor Fricka!

Melde, dass Wotans Speer gerächt,
was Spott ihr schuf.

Geh! Geh!

Doch Brünnhilde! Weh der Verbrecherin!

Furchtbar sei die Freche gestraft,
erreicht mein Ross ihre Flucht!